Zum Inhalt springen

60 Millions de Consommateurs: Vier Waschmittel mit schlechten Gesundheits- und Umweltwerten

Junger Mann vergleicht Waschmittel in Flaschen vor Waschmaschine und aufgehängter Wäsche im Hintergrund.

Aktuelle Tests der französischen Verbraucherorganisation „60 Millions de Consommateurs“ haben die Debatte darüber neu entfacht, was in unseren Waschmaschinen tatsächlich mitwirbelt. Im Fokus stehen vier beliebte Waschmittel, die schlechte Gesundheitsbewertungen mit einer bedenklichen Umweltbilanz verbinden.

Warum eine anerkannte Verbraucherorganisation Alarm schlägt

Anfang 2023 veröffentlichte 60 Millions de Consommateurs einen umfangreichen Vergleichstest von rund dreissig Waschmitteln aus dem Supermarkt. Die Organisation gilt in Frankreich als unabhängige, strenge Verbraucherschutzinstanz: Sie kauft Produkte anonym ein, lässt sie im Labor untersuchen und vergibt Bewertungen auf einer einfachen Skala von A bis E.

Vier bekannte Marken landeten in der schlechtesten Kategorie und erhielten für Gesamtleistung und Sicherheit die Note „E“. Beanstandet wurden folgende Produkte:

  • Omo „Essences naturelles“ (Rosen und weisser Flieder)
  • Persil Flüssigwaschmittel „Savon de Marseille“
  • Xtra 3-in-1-Kapseln „Savon de Marseille“
  • Ariel Flüssigwaschmittel „Power Alpine“

Diese vier Waschmittel vereinen laut den französischen Testergebnissen reizende Stoffe, allergene Verbindungen und eine schwache biologische Abbaubarkeit.

Alle vier Produkte setzen auf chemische Mischungen, die bei regelmässiger Nutzung Fragen aufwerfen – sowohl für Anwenderinnen und Anwender als auch für die Stoffe, die mit dem Spülwasser in Flüsse und Küstengebiete gelangen.

Was das Labor in diesen Waschmitteln nachwies

Das Problem besteht nicht darin, dass diese Produkte schlecht reinigen. Bei der Fleckenentfernung schneiden sie häufig durchaus ordentlich ab. Die eigentliche Sorge betrifft die Details ihrer Inhaltsstofflisten.

Konservierungsstoffe mit hautreizender Wirkung

Die Tests lenkten den Blick auf eine Gruppe von Konservierungsmitteln, die Isothiazolinone. Sie werden oft eingesetzt, damit Flüssigwaschmittel in der Flasche nicht verderben. Stoffe wie Methylisothiazolinon (MIT) und Methylchloroisothiazolinon (CMIT) sind stark wirksame Biozide.

Dermatologinnen und Dermatologen weisen seit Jahren auf diese Inhaltsstoffe hin, weil sie Kontaktdermatitis auslösen können – insbesondere, wenn Menschen feuchte Wäsche anfassen oder wiederholt Kleidung tragen, die mit demselben Produkt gewaschen wurde.

Wiederholter Kontakt mit Isothiazolinonen wird mit Hautausschlägen, Juckreiz und in einigen Fällen mit chronischen Ekzemen bei empfindlichen Personen in Verbindung gebracht.

Tenside mit Bezug zu Reizungen und Schäden in Gewässern

Die Verbraucherschutzorganisation verwies ausserdem auf Tenside wie Natriumlaurethsulfat. Diese Substanzen lösen Fett und Schmutz, weshalb sie in Shampoos, Spülmitteln und Waschmitteln vorkommen.

Bei hoher oder wiederholter Exposition können sie Haut und Augen austrocknen und reizen, besonders bei Menschen mit bestehenden Beschwerden wie Ekzemen oder Psoriasis. Gelangen bestimmte Tenside in Gewässer, bauen sie sich nur langsam ab und können Wasserorganismen schädigen.

Art des Inhaltsstoffs Hauptfunktion im Waschmittel Zentrale genannte Sorge
Isothiazolinon-Konservierungsstoffe Verhindern das Verderben des Produkts Hautallergien, Kontaktdermatitis
Natriumlaurethsulfat Schaumbildner, Reinigungsstoff Reizungen, Giftigkeit für Wasserorganismen
Duftstoffe, Parfümstoffe Verleihen einen „frischen“ Geruch Verborgene Allergene, Belastung der Innenraumluft

Duftstoffe: der unsichtbare Unsicherheitsfaktor

Neben ausdrücklich genannten Chemikalien setzen viele Waschmittel auf komplexe Duftstoffmischungen, die nach „Alpenluft“ oder „frischer Baumwolle“ riechen sollen. Solche Mischungen enthalten häufig Dutzende Aromachemikalien, darunter mitunter potenzielle endokrine Disruptoren oder sensibilisierende Stoffe.

Da Vorschriften es Unternehmen erlauben, sie lediglich unter einem Sammelbegriff wie „Parfum“ oder „Duftstoff“ aufzuführen, erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher selten, was sie tatsächlich einatmen, wenn sie die Maschine öffnen oder warme Wäsche zusammenlegen.

Gesundheitsrisiken bei regelmässiger Verwendung

Für die meisten Menschen führt ein einzelner Waschgang mit einem problematischen Waschmittel nicht unmittelbar zu Schäden. Die Bedenken wachsen, wenn dasselbe Produkt Woche für Woche zur Waschroutine gehört.

Waschmittelrückstände können in Textilfasern verbleiben, insbesondere in Handtüchern, Unterwäsche und Sportkleidung. Wenn die Haut schwitzt oder an den Stoffen reibt, können kleine Mengen dieser Inhaltsstoffe auf den Körper übergehen und sich dort ansammeln.

  • Menschen mit empfindlicher oder trockener Haut können Rötungen, Juckreiz oder Ekzemstellen entwickeln.
  • Kinder und Babys, deren Hautbarriere dünner ist, reagieren möglicherweise stärker auf Reizstoffe.
  • Menschen mit Asthma könnten Verschlechterungen bemerken, wenn parfümierte Waschmittel die Schadstoffbelastung der Innenraumluft erhöhen.

Das Risiko entsteht weniger durch einen einzelnen Waschgang als durch die dauerhafte, niedrig dosierte Belastung, die sich über Monate oder Jahre aufbaut.

Der französische Test behauptet nicht, dass diese Marken im streng toxikologischen Sinn „Gift“ seien. Er betont vielmehr, dass sie unter den verfügbaren Produkten im Vergleich zu saubereren Alternativen zu den am wenigsten gesundheits- und umweltschonenden gehören.

Umweltkosten: Was nach dem Schleudergang geschieht

Jeder Waschgang erzeugt Abwasser, das Tenside, Konservierungsstoffe, Duftstoffe und Mikrofasern enthält. Kläranlagen entfernen einen Teil dieser Stoffe, jedoch nicht alle.

Der Analyse zufolge weisen die vier schlecht bewerteten Waschmittel bei einigen Bestandteilen eine begrenzte biologische Abbaubarkeit auf. Langlebige Moleküle können in Flüsse, Seen und Küstenökosysteme gelangen, wo sie unter anderem:

  • Membranen und Atmung von Fischen und Wirbellosen beeinträchtigen können.
  • Das Wachstum von Algen und die Photosynthese stören können.
  • Sich mit Mikroplastik aus synthetischer Kleidung verbinden und so eine doppelte Belastung für Wasserlebewesen schaffen können.

Rechnet man den Energieverbrauch für das Erwärmen des Wassers und den Betrieb der Geräte hinzu, wird der Waschbereich zu einem nicht unerheblichen Faktor der Umweltbelastung eines Haushalts.

Welche Waschmittel schnitten im französischen Test besser ab?

Die Verbraucherschutzorganisation benannte nicht nur Probleme. Sie hob auch Produkte hervor, die Kleidung reinigen und zugleich fragwürdige Inhaltsstoffe stärker begrenzen. In dieser Rangliste erzielten Einzeldosis-Kapseln im Durchschnitt bessere Werte als klassische Flüssigwaschmittel, vor allem weil pro Waschgang weniger Produkt benötigt wird und die Rezepturen konzentrierter sind.

Zwei besonders auffällige Marken

Unter den bestbewerteten Produkten lobte der Test:

  • Leclerc Xéor-Kapseln, die 15/20 erreichten und ein besseres Gleichgewicht aus Wirksamkeit, Gesundheitsprofil und Umweltauswirkungen boten.
  • La Maison Verte Bioactive Flüssigwaschmittel, das mit 14/20 bewertet wurde und als umweltbewusstere Option mit einer einfacheren Inhaltsstoffliste vermarktet wird.

Die am besten bewerteten Waschmittel sind nicht perfekt, doch sie reduzieren aggressive Konservierungsstoffe und setzen stärker auf besser biologisch abbaubare Tenside.

Diese Ergebnisse spiegeln einen breiteren Trend in Europa und Nordamerika wider, wo Händler „Öko-Waschmittel“ und parfümfreie Rezepturen bewerben. Die Kennzeichnungen bleiben jedoch uneinheitlich, und ein grünes Blatt auf einer Flasche bedeutet nicht automatisch eine sicherere Chemie.

Praktische Tipps für die Wahl eines sichereren Waschmittels

Beim Einkauf bleibt selten Zeit, lange Inhaltsstofflisten im Laden zu entschlüsseln. Einige schnelle Regeln können die Belastung zumindest verringern.

  • Wenn möglich, parfümfreie oder nur leicht beduftete Produkte bevorzugen.
  • Auf Hinweise wie „MIT“, „CMIT“ oder „Isothiazolinon“ achten und diese bei empfindlicher Haut meiden.
  • Beim Testen einer neuen Marke zunächst kleinere Flaschen kaufen, um die Hautverträglichkeit zu prüfen.
  • Die empfohlene Mindestmenge verwenden; eine Überdosierung verbessert die Reinigungsleistung selten und erhöht Rückstände.
  • Einen zusätzlichen Spülgang wählen, wenn jemand im Haushalt Allergien oder Ekzeme hat.

Einige nationale Verbraucherorganisationen veröffentlichen aktualisierte Ranglisten, die sowohl Leistung als auch Gesundheitskriterien berücksichtigen. Wer diese Listen mit den lokal verfügbaren Produkten abgleicht, kann Kaufentscheidungen gezielter treffen als allein anhand von Werbeversprechen.

Warum selbstgemachtes Waschmittel immer beliebter wird

Das französische Magazin verwies zudem auf eine wachsende Alternative: selbstgemachtes Flüssigwaschmittel. Das Prinzip ist einfach: Statt eine komplexe industrielle Rezeptur zu kaufen, mischen Haushalte wenige vertraute Zutaten.

Ein verbreitetes Rezept kombiniert Raspeln traditioneller Marseiller Seife mit Natron oder in manchen Fällen mit weissem Essig. Die Mischung wird in heissem Wasser aufgelöst und kühlt zu einer gelartigen Flüssigkeit ab, die in die Waschmittelschublade gefüllt werden kann.

Selbstgemachte Rezepturen verringern unbekannte Zusatzstoffe und ermöglichen es, Duft, Stärke und Menge für jeden Waschgang individuell anzupassen.

Diese DIY-Optionen senken meist Verpackungsmüll und Kosten, erfordern aber weiterhin einen sorgfältigen Umgang. Zu viel Essig kann Gummidichtungen in Waschmaschinen beschädigen, und manche Naturseifen hinterlassen bei niedrigen Temperaturen Rückstände. Kleine Mengen zu testen und die Reaktion der Textilien zu beobachten, bleibt daher entscheidend.

Wie diese Debatte mit einer umfassenderen Chemikalienbelastung zusammenhängt

Die von 60 Millions de Consommateurs angesprochenen Bedenken gehören zu einer grösseren Diskussion über die alltägliche Belastung durch Industriechemikalien. Waschmittel ergänzen eine lange Liste, zu der Reinigungssprays, Lufterfrischer, Kosmetika und Lebensmittelverpackungen zählen.

Jedes Produkt für sich kann unter strengen Toxizitätsschwellen liegen. Forschende richten ihren Blick jedoch zunehmend auf den „Cocktail-Effekt“: die Möglichkeit, dass wiederholte Belastungen mit niedrigen Dosen aus mehreren Quellen im Lauf der Zeit zusammenwirken könnten – insbesondere bei gefährdeten Gruppen wie Kindern, Schwangeren oder Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Deshalb empfehlen immer mehr Gesundheitsfachkräfte, nicht notwendige parfümierte Produkte zu reduzieren, Innenräume nach dem Putzen zu lüften und einfachere Rezepturen zu bevorzugen, wenn sie gleich gut funktionieren.

Was dies für Haushalte ausserhalb Frankreichs bedeutet

Die von der französischen Verbraucherschutzorganisation bewerteten Marken können sich in Deutschland, anderen europäischen Ländern oder den USA geringfügig unterscheiden, da Rezepturen an lokale Vorschriften und Wasserhärte angepasst werden. Das zugrunde liegende Muster wiederholt sich jedoch häufig: Stark parfümierte und intensiv beworbene Waschmittel setzen meist auf komplexere und weniger transparente Chemie.

Verbraucherinnen und Verbraucher ausserhalb Frankreichs sollten die französische Liste eher als Warnsignal denn als direkte schwarze Liste verstehen. Die Kernbotschaft bleibt unverändert: Waschmittel bevorzugen, die effizient reinigen und weniger umstrittene Inhaltsstoffe enthalten, unabhängige Tests im Blick behalten und den Waschbereich als weiteren Ort betrachten, an dem kleine Alltagsentscheidungen Gesundheits- und Umweltrisiken über die Zeit verändern können.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen