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Römische Maler in Cartagena nutzten eine neue Schichttechnik für Zinnoberrot

Eine Person restauriert und rekonstruiert antike Wandmalerei in einem historischen Gebäude.

Eine neue Untersuchung zeigt, dass römische Maler in einem römischen Haus im heutigen Cartagena eine bislang nicht dokumentierte Schichttechnik einsetzten. Damit konnten sie teure rote Pigmente bewahren und zugleich die benötigte Menge verringern.

Die leuchtenden Wandmalereien erscheinen dadurch nicht länger bloß als Ausdruck von Reichtum, sondern als Beleg für einen gezielten und kontrollierten Umgang mit Materialien.

Bewahrte Malstrategie

In einem erhaltenen Raum eines römischen Hauses im heutigen Cartagena im Südosten Spaniens lässt sich die Schichtstruktur erkennen, die den roten Feldern ihre dauerhafte Farbe verlieh.

Bei der Analyse dieser Lagen entdeckte Daniel Cosano Hidalgo, Chemiker an der Universität Córdoba (UCO), unter dem Rot eine gelbe Grundschicht, welche den Aufbau der Pigmente dokumentiert.

Diese Anordnung belegt, dass das Rot nicht unmittelbar auf den Putz aufgetragen wurde. Stattdessen entstand es in einer sorgfältig gesteuerten Abfolge, die hohe Farbintensität mit begrenztem Materialeinsatz verband.

Das mehrlagige System verweist auf eine bewusste Antwort sowohl auf Kosten- als auch auf Haltbarkeitsfragen und wirft weitere Fragen dazu auf, wie das Rot selbst hergestellt wurde.

Römisches Gleichgewicht zwischen Reichtum und Effizienz

Unter den kostbarsten Wandfeldern des Raums verbarg sich ein Kompromiss: Rotes Eisenoxid wurde mit Zinnober gemischt, einem seltenen Mineral, das ein leuchtendes Rot erzeugt und einst als „rotes Gold“ geschätzt wurde.

Durch diese Verwendung blieb die kräftige Wirkung des Zinnobers erhalten, obwohl weniger von dem kostspieligen Mineral nötig war – eine Vorgehensweise, die in römischen Werkstätten bekannt war.

Da die Auftraggeber den Zinnober bereitstellen mussten, blieb das fertige Rot selbst dann ein Zeichen von Wohlstand, wenn die Maler im Verborgenen Material einsparten.

Doch der Preis allein erklärt die Gestaltung der Wand nicht: Die folgende Schicht zeigt, weshalb diese Maler langfristig planten.

Die unsichtbare Schicht unter leuchtend roten Wänden

Unter dem intensiven Rot lag ein gelbes Erdpigment, das zunächst als warme Grundierung aufgetragen worden war. Diese gelbe Lage schützte die obere Farbschicht vermutlich vor der kalkreichen Wand und verringerte damit die chemische Belastung, die Zinnober verdunkeln kann.

„Zinnober neigt dazu, sich bei Einwirkung von Licht, Feuchtigkeit und alkalischen Umgebungen zu schwärzen“, schrieben Hidalgo und seine Mitautoren.

Indem die Handwerker die Wand zunächst grundierten, sparten sie nicht nur Pigment, sondern versuchten auch, die rote Farbe dauerhaft zu erhalten.

Farbe als architektonisches Erzählen

An anderen Stellen des Raums kamen weißer Kalk, schwarze Holzkohle, gelber Ocker, grünes Pigment und Spuren von Ägyptisch Blau zum Einsatz, dem ältesten künstlich hergestellten blauen Pigment.

Die Maler mischten dieses Blau in grüne Bereiche. Dadurch konnte ein stumpfes Mineral aufgehellt und der Farbton in Richtung Türkis verschoben werden.

Darstellungen der Jahreszeiten und nachgeahmte Marmorplatten ließen den etwa 4,9 × 7,9 Meter großen Speiseraum kostspielig wirken, ohne jede Fläche mit Luxusfarben zu bedecken.

Diese umfangreichere Palette war entscheidend, weil die Rezeptur für Rot Teil eines gesamten Gestaltungskonzepts war, das Geschmack und gesellschaftlichen Rang vermitteln sollte.

Von lokalen Materialien zu luxuriösen Oberflächen

Auch die Wand unter der Bemalung lieferte einen weiteren Hinweis: Sie bestand aus vier Putzschichten, die aus regionalem Stein und Sand aufgebaut waren.

Die Mineralien im Mörtel entsprachen Vorkommen in der Umgebung von Cartagena im Südosten Spaniens. Das zeigt, dass die Maler Materialien aus der näheren Region verwendeten.

Gemahlene Keramik in den unteren Lagen half vermutlich gegen Feuchtigkeit, während Marmorfragmente auf eine sorgfältige Vorbereitung statt auf grobe Bauweise hindeuteten.

Die Schönheit des Raums beruhte somit auf gewöhnlichen regionalen Rohstoffen, die mit außergewöhnlicher Sorgfalt verarbeitet wurden, und nicht auf durchgehend importierten Materialien.

Farbe in feuchten Putz einbinden

Die Farben wurden außerdem als Fresko mit der Wand verbunden: Die Bemalung wurde aufgetragen, während der feuchte Kalk zu einer widerstandsfähigen Oberfläche erhärtete.

Weil die Pigmente in den noch feuchten Putz eingebracht wurden, wurden viele Farbtöne zu einem Bestandteil der Wand, statt nur locker auf ihrer Oberfläche zu liegen.

In beiden Farbschichten war weiterhin Kalk nachweisbar, ein Hinweis darauf, dass die Maler die Reihenfolge der Arbeit planten, bevor der Putz trocknete.

Diese zeitliche Abstimmung erforderte Schnelligkeit und Kontrolle. Sie erklärt, weshalb die Lösung eher auf Werkstattwissen als auf Improvisation hindeutet.

Die Schwärzung von Zinnober

Die Zeit machte auch das Risiko sichtbar, das in der leuchtend roten Mineralfarbe steckte, denn Licht und Feuchtigkeit konnten ihren Farbton verdunkeln.

Laboruntersuchungen zur Veränderung von Zinnober zeigen, dass Licht, Luftfeuchtigkeit und Salze seine Oberflächenchemie schädigen und die Farbe verändern können.

Schwarze Flecken auf einigen Fragmenten aus Cartagena weisen auf dieses Risiko hin, wobei Einsturz, Verschüttung und spätere Freilegung jeweils eine Rolle gespielt haben könnten.

Die gelbe Grundschicht wirkt daher weniger wie ein dekoratives Element als wie eine Absicherung gegen ein Pigment, das dafür bekannt war, Maler im Stich zu lassen.

Hinweise auf gemeinsame künstlerische Praktiken

Im römischen Spanien scheint diese genaue Abfolge der roten Schichten äußerst selten gewesen zu sein; lediglich aus Ephesos, einer antiken Stätte im Westen der Türkei, ist ein enger Vergleich bekannt.

Vor diesem Hintergrund deutet die Parallele zu Ephesos darauf hin, dass Maler Rezepturen möglicherweise über reisende Werkstätten, abgeschriebene Notizen oder langlebige Handwerkstraditionen weitergaben.

Der Fund aus Cartagena belegt zudem, dass Zinnober dort länger verwendet wurde, als Archäologen bislang dokumentiert hatten – trotz Anzeichen für einen wirtschaftlichen Niedergang der Stadt.

Wohlstand blieb wichtig, doch die Wände deuten nun darauf hin, dass Wissen im gesamten Reich weitergegeben wurde.

Wissen antiker Werkstätten

Chemische Hinweise und Grabungsaufzeichnungen trafen schließlich in demselben Raum zusammen und ermöglichten es den Forschern, Dekoration, Handel und handwerkliche Entscheidungen gemeinsam zu untersuchen.

Mikroskope bestimmten die Reihenfolge der Schichten, während Fundortdokumentationen jedes Fragment Wandfeldern, Bordüren und gemalten Figuren zuordneten.

Gemeinsam mit Archäologen der Universität Murcia konnten die Chemiker der UCO prüfen, ob die Schönheit allein aus finanziellem Reichtum hervorging.

Diese Zusammenarbeit macht aus einer beschädigten Wand einen aussagekräftigen Beleg dafür, wie römische Werkstätten Arbeit, Materialien und visuelle Wirkung planten.

Die Konstruktion visueller Strategie

Ein Raum, der über Jahrhunderte verschüttet war, zeigt heute, dass römische Malerei Sparsamkeit, Chemie und Status in einer kontrollierten Oberfläche vereinen konnte.

Weitere Funde aus Cartagena und anderen Fundorten könnten klären, ob es sich um eine lokale Spezialität oder um einen Teil einer weiter verbreiteten handwerklichen Tradition handelte.

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