Um 17 Uhr gleicht das Wohnzimmer bereits einem Gewächshaus. Die Sonne brennt durch die Fensterfront, der Ventilator bewegt nur lauwarme Luft, und die seit dem Morgen zugezogenen schweren Thermovorhänge lassen den Raum noch drückender wirken. Jeder kennt diese Situation: Entweder lebt man im Halbdunkel oder man erträgt die Hitze. Seit einiger Zeit findet jedoch eine Lösung Einzug in Wohnungen, die lange gehobenen Hotelzimmern vorbehalten war: das Screengewebe, ein technisches Textil auf einem unauffälligen Rollo. Es wirkt optisch leichter und ist innen häufig wirksamer als doppelte Vorhänge. Außerdem verändert es das Licht, ohne dass sich die Fenster wie verbarrikadiert anfühlen. Und es hält einige Überraschungen bereit.
Screengewebe: das dezente Hoteltextil für Sonnenlicht
In modernen Hotels sind große, schwere Vorhänge nicht völlig verschwunden. Oft verdecken sie jedoch ein sehr schlankes Rollo, das unmittelbar vor der Scheibe montiert ist. Das sogenannte Screengewebe besteht aus Glasfaser- oder Polyesterfäden, die meist mit PVC beschichtet werden. Es soll Sonnenlicht filtern, ohne den Blick nach draußen vollständig zu versperren. Aus der Entfernung wirkt es beinahe wie ein einfacher Sichtschutzstoff. Erst aus der Nähe zeigt das Gewebe seine Struktur und die Technik dahinter, die UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und häufiger Nutzung standhalten soll.
Oft kommt der Aha-Moment nach der ersten Nacht in einem gut ausgerichteten Hotelzimmer: Beim Aufwachen ist es hell, aber nicht heiß. Eine Familie in einer durchgesteckten Wohnung in Lyon ersetzte ihre dunkel-beigen Thermovorhänge durch zwei Screenrollos mit 3 % Öffnungsfaktor. Während der Hitzewelle im Juli zeigte das Thermometer im Wohnzimmer zu den heißesten Stunden laut ihren eigenen Messungen bis zu 3 °C weniger an. Das ist kein Wundermittel, doch in einem nach Westen ausgerichteten Raum ist dieser geringe Unterschied sofort spürbar.
Entscheidend ist vor allem, wie mit dem Licht umgegangen wird. Ein herkömmlicher Thermovorhang kann einen Teil der Strahlung abhalten, speichert bei einer Innenmontage jedoch zugleich Wärme zwischen Stoff und Fenster. Das Screengewebe filtert einen Teil der Sonnenstrahlung, bevor sie sich im Raum verteilt, während die Luft darum herum zirkulieren kann. Auch der visuelle Komfort verbessert sich: weniger Blendung am Bildschirm, weniger Spiegelungen auf dem Tisch und das angenehme Gefühl, tagsüber nicht hinter geschlossenen Vorhängen zu wohnen.
Das passende Screenrollo auswählen
Bevor Sie bestellen, sollten Sie die Ausrichtung jedes einzelnen Fensters berücksichtigen, statt überall denselben Stoff einzusetzen. Bei einer Fensterfront nach Süden oder Westen begrenzt ein Gewebe mit niedriger Öffnung von 1 bis 3 % direkte Sonnenstrahlen und Einblicke stärker. Für einen weniger warmen Raum, in dem eine freie Sicht erhalten bleiben soll, eignet sich eher ein Öffnungsfaktor von 5 % oder mehr. Das Rollo sollte die Verglasung großzügig abdecken und idealerweise auf beiden Seiten einige Zentimeter überstehen, denn die Sonne findet ihren Weg gern durch kleinste Zwischenräume.
Ein häufiger Irrtum ist, Screengewebe mit einem Verdunkelungsrollo gleichzusetzen. Screengewebe mindert Hitze und Blendung, verdunkelt ein Schlafzimmer aber nicht unbedingt vollständig. Wer ohne frühmorgendliches Aufwachen schlafen möchte, braucht einen Verdunkelungsstoff oder einen zusätzlichen Vorhang. Seien wir ehrlich: Niemand bedient seinen Sonnenschutz jeden Tag mit der Präzision eines Uhrwerks. Ein motorisiertes, programmierbares oder schlicht leicht zu bedienendes Modell kommt daher deutlich häufiger zum Einsatz als ein kompliziertes System.
Die richtige Wahl hängt ebenfalls von der Verglasung, der Dämmung und einem eventuell vorhandenen Außenrollo ab. Ein innenliegendes Screengewebe erhöht den Komfort spürbar, ersetzt aber nicht vollständig einen Rollladen, eine Außenjalousie oder eine außen montierte Markise. Diese halten die Strahlen bereits vor der Scheibe ab. Der beste Sonnenschutz ist derjenige, den man täglich ansehen und nutzen möchte. Eine von Monteuren oft wiederholte Regel bringt es auf den Punkt:
„Es geht nicht darum, das Licht auszuschalten, sondern zu verhindern, dass die Sonne den Raum in Besitz nimmt.“
- Für stark exponierte Fassaden einen Öffnungsfaktor von 1 bis 3 % wählen;
- auf der Fensterseite helle oder metallisierte Farbtöne bevorzugen, damit das Licht besser reflektiert wird;
- die gesamte Breite des Fensterrahmens messen, nicht nur die Verglasung;
- bei einem Schlafzimmer vor dem Kauf den Verdunkelungsgrad prüfen.
Ein Einrichtungswechsel, der auch unser Verhältnis zur Hitze zeigt
Der Erfolg dieses aus der Hotellerie stammenden Materials beruht nicht allein auf seinem praktischen Nutzen. Er zeigt auch eine sehr konkrete Erschöpfung angesichts längerer Sommer, stark verglaster Wohnungen und beunruhigender Klimatisierungskosten. Thermovorhänge bleiben in manchen Altbauten sinnvoll, um im Winter Wärme zu halten oder eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. In einem modernen Wohnzimmer wirken sie jedoch schnell wuchtig, sind schwer zu waschen und passen nur bedingt zum Julilicht. Das Screengewebe bietet eine leichtere Lösung, die im hochgezogenen Zustand fast unsichtbar bleibt, ohne Unmögliches zu versprechen.
| Wesentlicher Punkt | Detail | Mehrwert für Leserinnen und Leser |
|---|---|---|
| Ein Material aus der Hotellerie | Screengewebe ist ein filterndes technisches Textil, das häufig bei Rollos verwendet wird. | Blendung reduzieren, ohne im Dunkeln zu leben. |
| Wirksamkeit abhängig von der Ausrichtung | Öffnungsfaktoren von 1 bis 3 % eignen sich besser für Fenster nach Süden und Westen. | Für jeden Raum den passenden Schutzgrad wählen. |
| Eine ergänzende Lösung | Ein Innenrollo ersetzt nicht immer einen außenliegenden Sonnenschutz. | Überzogene Versprechen vermeiden und den sommerlichen Komfort tatsächlich verbessern. |
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