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Borken: Neue Klosterkirche unter dem Gesundheitszentrum entdeckt

Archäologe untersucht und restauriert gemauerte Fundamente bei Ausgrabungsstätte in urbaner Umgebung.

Für ein neues Gesundheitszentrum im Westen Deutschlands haben Arbeiten im historischen Zentrum von Borken mächtige Ziegelfundamente einer lange verschwundenen Klosterkirche freigelegt.

Der Fund macht deutlich, wie stark vergangene Jahrhunderte noch immer bestimmen, was moderne Bauvorhaben oberirdisch realisieren können.

Mauern unter dem Brinkerhof

Bei Grabungsschnitten im Borkener Brinkerhof-Quartier kamen massive Ziegelmauern zum Vorschein. Sie gehören zur ehemaligen Kirche des Marienbrink-Klosters, die einst genau an diesem Ort stand.

Dr. Andreas Wunschel vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) dokumentierte das freigelegte Mauerwerk und ordnete die Befunde dem aus spätmittelalterlichen Quellen bekannten Klosterkomplex zu.

Ziegelmauerwerk an der West- und Südseite der Kirche hat sich seit dem 15. Jahrhundert an Ort und Stelle erhalten. Damit zeichnet sich der Grundriss eines Bauwerks ab, das lange als vollständig verschwunden galt.

Jeder neu freigelegte Abschnitt muss nun sorgfältig erfasst und gesichert werden, ehe die Bauarbeiten auf dem Entwicklungsareal weitergehen können.

Das Ziegelmauerwerk als Zeitzeugnis

Im offenen Grabungsschnitt erhob sich das Fundament in mächtigen Stufen und zeigte, wie große Teile des unteren Kirchenbereichs überdauert haben.

Die Außenmauer war nach den Messungen etwa 1,25 Meter breit; der erhaltene Fundamentbereich erreicht ungefähr 1,6 Meter Höhe.

Rote Ziegel und Kalkmörtel – ein calciumhaltiges Bindemittel aus gebranntem Kalkstein – hielten dort stand, wo ältere Baustrukturen längst zerfallen wären.

Starke Schuttschichten überdeckten Teile des Mauerwerks. Diese Auflage bewahrte die unteren Ziegellagen, während die Stadt darüber neu errichtet wurde.

Untersuchungen vor dem Aushub

Noch bevor tiefe Schnitte angelegt wurden, suchte das Team im Boden des Brinkerhofs nach verborgenen Strukturen, um die Grabungen gezielt und schonend zu planen.

Die geophysikalischen Untersuchungen, mit denen sich unterirdische Befunde ohne Ausgrabung kartieren lassen, zeigten deutliche Signale an Stellen, an denen Stein, Ziegel oder Beton den Boden unterbrachen.

2024 bestätigten kleine Testschnitte diese Hinweise; die anschließenden Arbeiten von 2025 verfolgten längere Abschnitte des Ziegelmauerwerks.

Weil die Messungen das Suchgebiet eingrenzten, konnten die Archäologen weniger Boden bewegen und dennoch zentrale Strukturen erfassen, bevor der Zeitplan des Bauprojekts enger wurde.

Schichten in den Hinterhöfen

Zwischen Oktober und November 2025 legten zwei weitere Schnitte in nahe gelegenen Gärten verfüllte Keller früherer Häuser frei.

Bodenverfärbungen kennzeichneten Pfostenlöcher – schmale Hohlräume, in denen einst Holzpfosten standen – sowie Gruben, die Menschen für Arbeitsabläufe und zur Entsorgung angelegt hatten.

Keramikfragmente aus diesen Schichten reichen vom späten Hochmittelalter bis in die Neuzeit und belegen wiederholte Neubauten auf denselben Parzellen.

Jüngere Keller und Abfallgruben können ältere Mauern durchschneiden. Deshalb muss das Team jede Schicht in ihrer zeitlichen Abfolge auswerten.

Der Krieg hinterließ Beton

Südwestlich der Kirchenfundamente stießen die Einsatzkräfte bei ersten Untersuchungen 2024 zudem auf einen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Eine frühe Kartierung zeigte, dass sich der Bunker über große Teile des Bauareals erstreckt. Dadurch kommt massiver Stahlbeton als weitere Herausforderung für die Grabung hinzu.

Bombenangriffe zerstörten zahlreiche Gebäude in der Innenstadt. Der Wiederaufbau nach dem Krieg verlegte Straßen von ihren früheren Trassen und verschob damit auch Grundstücksgrenzen.

Heutige Straßennetze können verbergen, was darunter liegt, denn mittelalterliches Ziegelmauerwerk und Schutzräume aus der Kriegszeit stimmen selten mit den heutigen Bordsteinen überein.

St. Remigius prägt den Standort

St. Remigius steht seit etwa dem Jahr 800 nahe dieses Blocks und beeinflusste damit, wie spätere Bauherren die umliegende Fläche bebauten.

Diese lange Bautätigkeit hinterließ unter unscheinbar wirkenden Straßen eine tiefreichende Stratigrafie, also die von Menschen abgelagerten Bodenschichten.

„Im historischen Stadtkern von Borken kann grundsätzlich von einer sehr guten und umfangreichen Erhaltung archäologischer Befunde mit komplexer Stratigrafie ausgegangen werden“, betont Wunschel.

Die tiefen Schichten erhöhen zugleich die Anforderungen: Eine klar erkennbare mittelalterliche Mauer kann nur wenige Zentimeter neben jüngeren Auffüllungen liegen, die beinahe modern wirken.

Synagoge ohne Befundspuren

1818 entstand in Borken eine Synagoge mit angeschlossener Schule sowie einer kleinen Mikwe, einem rituellen Bad der jüdischen Religionspraxis.

Während der deutschlandweiten antijüdischen Gewalt im November 1938 wurde das Gebäude schwer beschädigt und im folgenden Jahr abgerissen.

Historische Unterlagen beschreiben Marienbrink als ältere Klostereinrichtung, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgehoben wurde.

Bislang haben die Grabungen keine baulichen Überreste erbracht, die sich eindeutig der Synagoge oder dem Ritualbad zuordnen lassen. Ihr genauer Standort bleibt daher ungewiss.

Knochen und Hinterhöfe

Ein Grabungsschnitt legte außerdem eine Tierkadavergrube frei – ein deutlicher Hinweis darauf, dass Abfälle und Krankheiten in unmittelbarer Nähe bewältigt wurden.

Als sich die Grube verfüllte, schloss der Boden Knochen und Keramik gemeinsam ein. Dadurch erhalten die Archäologen eine präzise Momentaufnahme eines einzelnen Entsorgungsvorgangs.

Bestattungen konzentrieren sich häufig im Umfeld von Klosterkirchen, und das Team rechnet im Bereich und nahe dem ehemaligen Kirchenraum mit Gräbern.

Mögliche Gräber müssten sorgfältig geborgen und wiederbestattet werden. Das könnte den Zeitplan verzögern und die Platzierung der neuen Gebäude verändern.

Bauplanung trifft auf Denkmalschutz

Die Bauingenieure müssen nun entscheiden, wo tiefe Fundamente gesetzt werden können, denn gerade die bautechnisch günstigsten Stellen könnten ältere Befunde beeinträchtigen.

Schutzabdeckungen, detaillierte Zeichnungen und digitale Karten können Informationen bewahren, selbst wenn nicht jede Mauer am Fundort erhalten bleiben kann.

Wenn die Ausgrabungen vor den Arbeiten an Leitungen stattfinden, kann die Stadt weiterbauen, während Archäologen die Befunde dokumentieren, bevor sie verschwinden.

Rettungsgrabungen erfassen nie die gesamte Geschichte. Künftige Projekte könnten neue Schnitte erfordern, um offene Fragen zu klären.

Was im Untergrund bleibt

Der Boden des Borkener Brinkerhofs fungiert nun als Arbeitsarchiv: Ziegel, Keramik und Beton dokumentieren die wiederholten Umbauten der Stadt.

Künftige Planungsentscheidungen bestimmen, ob weitere Überreste zur Untersuchung geborgen oder für Jahrzehnte unter neuen Fußböden geschützt werden.

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