1990 am renommierten MIT gegründet, hat iRobot den Saugroboter für den Massenmarkt praktisch erst möglich gemacht. Nach mehreren finanziellen Turbulenzen – der gescheiterten Übernahme durch Amazon und der Insolvenz im Jahr 2025 – wurden die Aktivitäten vom chinesischen Unternehmen Picea Robotics übernommen, das die Roboter der Marke gefertigt hatte. Der Roomba Mini gehört zu den ersten Modellen des neuen iRobot und hebt sich mit seinem besonders kompakten Format von der Konkurrenz ab.
Seine Zielgruppe sind kleine Stadtwohnungen, und das zu einem erschwinglichen Preis. Doch erfüllt er diesen Anspruch tatsächlich? Um das herauszufinden, haben wir ihn in einer denkbar anspruchsvollen Umgebung getestet: einer vollgestellten Pariser Geek-Wohnung.
Kleiner als die Konkurrenz, aber ausgesprochen clever
Beim Auspacken fällt zunächst auf, wie wenig Platz das Gerät beansprucht. Der Roboter misst im Durchmesser 24,5 cm, während Standardmodelle oft gut 10 cm größer sind. Dadurch gelangt er zwischen Stuhlbeine, unter Nachttische und an Stellen, die viele Wettbewerber nicht erreichen. Auch die Ladestation bleibt erfreulich kompakt: Mit ihren Gesamtmaßen von 21,2 x 17,8 x 28,5 cm findet sie selbst in einem überladenen Arbeitszimmer oder einem schmalen Flur leicht einen Platz.
iRobot bietet den Mini in vier Farben an: Rosa, Mint, Weiß und Schwarz. Unser mintfarbenes Testgerät wirkt ansprechend und konnte sogar im Wohnzimmer stehen, ohne groß aufzufallen. Bei klassischen Saugrobotern ist das keineswegs selbstverständlich.
Der Roomba Mini verfügt über einen 2.400-mAh-Akku, der eine Laufzeit von bis zu 90 Minuten ermöglichen soll und in 3 Stunden vollständig geladen ist. Für eine durchschnittlich große Wohnung reicht das normalerweise für einen Reinigungsvorgang. Bei Flächen von mehr als 60-70 m² könnte der Roboter jedoch zwischendurch zur Station zurückkehren müssen – und anschließend einige weitere Stunden zum Aufladen benötigen.
Die Saugleistung gibt der Hersteller mit 7.000 Pa an, ein für diese Produktklasse angemessener Wert. Die kompakte Bauweise erforderte allerdings gewisse Kompromisse. Der aus unserer Sicht wichtigste: Statt der bei Konkurrenzmodellen häufig vorhandenen zwei motorisierten Bürsten besitzt er nur eine. Auf dicken Teppichen oder bei größeren Mengen an Tierhaaren kann sich das bemerkbar machen.
Roomba Mini: LiDAR-Navigation auch ohne Licht
Für die Navigation nutzt der Roomba Mini ein leistungsfähiges LiDAR-Modul. Diese Technologie arbeitet nicht nur zuverlässig, sondern braucht auch keine Beleuchtung. Der Mini kann deshalb bei geschlossenen Rollläden oder nachts reinigen. In Räumen mit Teppichen empfiehlt sich allerdings ein Gehörschutz, da das Gerät dann recht laut werden kann. Teppiche und Auslegware erkennt der Roboter automatisch, damit sie im Wischmodus trocken bleiben.
Bei der ersten Nutzung erstellt der Mini zügig eine Karte der Wohnung. Für die Kartierung unserer Wohnung benötigte er weniger als zehn Minuten. Anschließend lassen sich Räume in einem einfachen, aber funktionalen Editor benennen, zusammenlegen oder in einzelne Bereiche aufteilen. Das erleichtert die Planung der Reinigung.
Gesteuert wird der Roboter über die App oder mithilfe eines Sprachassistenten wie Alexa beziehungsweise Google Assistant. Mit Siri ist es etwas umständlicher: Da HomeKit Saugroboter derzeit nicht unterstützt, müssen Kurzbefehle eingerichtet werden, um die Reinigung zu starten. Alternativ steht der klassische physische Knopf am Gerät bereit. So funktioniert der Mini auch ohne WLAN-Verbindung und übermittelt folglich keine Daten an irgendeine Cloud.
Die Anwendung konzentriert sich auf das Wesentliche und verzichtet auf überflüssige Funktionen. Neben der Kartenansicht lassen sich Routinen für eine oder mehrere Reinigungen pro Woche anlegen; außerdem liefert sie Nutzungsstatistiken. Tritt ein Problem auf, erläutert ein Assistent die nötigen Schritte zur Behebung.
Weicht (fast) allen Hindernissen aus
Beim automatischen Saugen gab es keine größeren Schwierigkeiten. Dabei hatten wir dem Mini einige mehr oder weniger tückische Hindernisse in den Weg gelegt: Schuhe, zusammengeknüllte Socken, achtlos im Eingangsbereich liegende Schlüssel und selbstverständlich unterschiedliche Kabelarten. Bis auf ein Hindernis wich der Roboter allem aus: Ein 10 cm kurzes USB-C-Kabel versuchte er erfolglos einzusaugen. Daraufhin schickte er über die App eine Hilfemeldung. Nachdem wir das Kabel entfernt hatten, setzten wir ihn wieder im Raum ab; er orientierte sich korrekt und führte die Reinigung an der zuvor unterbrochenen Stelle fort.
Unseren 85-m²-Testhaushalt konnte der Mini nicht mit nur einer Akkuladung vollständig reinigen. Sobald der Ladezustand auf 15 % gesunken war, unterbrach er seine Arbeit und fuhr zur Basis zurück. 120 Minuten später setzte er die Reinigung fort und erledigte den Rest in 15 Minuten. Das Ergebnis überzeugt: Die Seitenbürste befördert Staub zuverlässig zur Ansaugöffnung, während die geringe Größe des Roboters ihm Zugang zu praktisch allen Bereichen verschafft. Dank seiner niedrigen Bauhöhe gelangte er unter ein sehr flaches Sofa und schlängelte sich zudem zwischen den Beinen des Couchtischs sowie den Stühlen im Essbereich hindurch. Um eine gründliche Reinigung zu erzielen, müssen diese Möbel also nicht mehr hochgestellt werden.
Die Station entleert den Roboter in einen 2,5-Liter-Beutel. Dieser soll Feinstaub und Allergene zurückhalten. Laut iRobot kann der Mini auf diese Weise bis zu drei Monate lang arbeiten, ohne dass ein Beutelwechsel nötig wird.
Die Wischfunktion ist keine Stärke, hilft aber aus
Das Wischsystem arbeitet nicht automatisch. Es basiert auf Einweg-Wischtüchern, die unter dem Gerät angebracht werden. Dafür liefert der Hersteller eine abnehmbare Platte mit, auf der das Verbrauchsmaterial befestigt wird. Diese wird anschließend an der Unterseite eingeklickt und setzt die mechanische Bürste außer Betrieb. Weder ein Wassertank noch eine Vibrationsfunktion sind vorhanden. iRobot legt ein speziell für den Mini vorgesehenes Wischtuchpaket bei, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass auch Wischtücher jeder Standardmarke verwendet werden können. Dass ein Hersteller nicht zum Kauf eigener Verbrauchsmaterialien drängt, ist bemerkenswert.
Von der Nassreinigung erwarteten wir dennoch keine Wunder – zu Recht. Das Tuch nimmt auf Hartböden feinen Staub und leichte Verschmutzungen auf, reinigt aber nicht tiefgehend. Mit den Doppel-Rotationsmopps mancher Konkurrenzmodelle kann dieses System nicht mithalten. Diese Einschränkung hängt natürlich unmittelbar mit der kompakten Bauform zusammen. Der Roomba Mini fährt also durch, frischt den Boden auf, schrubbt ihn jedoch nicht: Das ist der Preis für einen so unauffälligen Saugroboter.
iRobot Roomba Mini: das Urteil von Presse-citron
Der Roomba Mini will bei roher Leistung oder bei der ausgefeilten Wischtechnik nicht mit den großen Modellen von Roborock oder Dreame konkurrieren. Sein Versprechen lautet vielmehr: kompakte Abmessungen für einen leichteren Zugang – und dieses Ziel erreicht er weitgehend. In engen Wohnbereichen bringt sein kleines Gehäuse einen echten Vorteil, denn er kommt fast überall hindurch. Die LiDAR-Navigation arbeitet zuverlässig, und die automatische Entleerung durch die Ladestation ist gelungen. Die Steuerungs-App bietet alle wichtigen Funktionen und bleibt dabei unkompliziert. Die Wischfunktion fällt recht einfach aus, zudem muss bei jeder Nutzung ein Tuch angebracht werden. Für die gründliche Reinigung einer Küche ist sie nicht gedacht, wohl aber zum Auffrischen des Bodens.
Bleibt die unangenehme Preisfrage. Für 399 € bietet der Roomba Mini fortschrittliche Navigation, eine Wischfunktion und eine Station mit automatischer Entleerung, bleibt jedoch teuer. Offenbar hat iRobot dies erkannt: Zum Zeitpunkt dieses Tests kostet er auf der iRobot-Website und bei Amazon 299 €. Zu diesem Preis ist er deutlich interessanter, denn seine Kompaktheit ist ein echter Vorzug.
iRobot Roomba Mini
Preis: 399 €
Gesamtwertung: 8.5
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Konstruktion & Wartung | 9.0/10 |
| Saugleistung | 9.5/10 |
| Wischleistung | 7.0/10 |
| Akkulaufzeit | 8.5/10 |
| Preis-Leistungs-Verhältnis | 8.5/10 |
Das gefällt uns
- Kompakte Bauweise
- Zuverlässige LiDAR-Navigation
- Durchdachte Entleerungsstation
- Ungewöhnliche Farben
Das gefällt uns weniger
- Nur eine Hauptbürste
- Wischfunktion ohne Wassertank
- Offizieller Preis zu hoch
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