Viele Gartenbesitzer reagieren bei einer seit Jahren etablierten Kletterpflanze gleich: Sie ziehen kräftig an den langen Trieben, um die Wand möglichst schnell freizulegen. Genau dann beginnen häufig die Probleme. Die Haftorgane halten stand, der Putz löst sich stellenweise und die Pflanze treibt mitunter im folgenden Frühjahr erneut aus. Deutlich bessere Ergebnisse bringt ein ruhiges Vorgehen direkt am Ansatz.
Warum lange Triebe so fest an Fassaden haften
Diese Kletterpflanze windet sich nicht nur um ihre Unterlage. Sie bildet zusätzlich kleine Haftorgane, die teils als Luftwurzeln bezeichnet werden und an Holz, Stein, Ziegeln oder Putz haften. Damit kann sie sehr hoch wachsen, ohne auf ein Rankgitter angewiesen zu sein.
An einer stabilen, intakten Wand verursachen diese Haftstellen nicht zwangsläufig sofort Schäden. Anders sieht es aus, wenn das Mauerwerk bereits Risse, bröckelnde Fugen oder einen alten Anstrich aufweist. Dann können die Triebe in vorhandene Schwachstellen eindringen. Auf dem Dach halten sie Feuchtigkeit zurück, verstopfen Fallrohre und können locker befestigte Bauteile anheben.
Ein ruckartiges Ziehen an den grünen Pflanzenteilen löst die Ursache nicht. Der Wurzelstock bleibt im Boden am Leben. Er versorgt die abgeschnittenen Triebe weiter oder bildet neue Austriebe. Ein alter Wurzelstock kann sehr kräftig, nahezu verholzt werden und mehrere Jahrzehnte überdauern.
„Der richtige erste Schritt besteht darin, die Versorgung der Triebe zu unterbrechen, bevor man versucht, sie von der Wand abzunehmen.“
Der Schnitt mit der Gartenschere, der den weiteren Ablauf verändert
Suchen Sie zunächst am Boden den Ursprung jedes stärkeren Triebs. Besonders entlang alter Mauern oder hinter Hecken verdecken die Blätter häufig mehrere verschiedene Pflanzenansätze. Schieben Sie das Laub vorsichtig zur Seite und halten Sie nach den Haupttrieben Ausschau, die meist braun, dick und fest sind.
Schneiden Sie jeden Trieb mit einer scharfen Gartenschere möglichst dicht über dem Boden ab. Für mittlere Durchmesser eignet sich eine Astschere. Hat ein Trieb die Stärke eines kleinen Astes, verwenden Sie eine Baumsäge. Das Ziel ist eindeutig: Der hochwachsende Teil muss vom versorgenden Wurzelstock getrennt werden.
Statt nur einmal zu schneiden, kann es sinnvoll sein, ein wenige Zentimeter langes Stück zu entfernen. So wird verhindert, dass ein Trieb verbunden bleibt und wieder zusammenwächst. Bei besonders wuchsfreudigen Pflanzen sollten Sie prüfen, ob sich hinter einem Zaun, Fallrohr oder Beet keine Nebentriebe verstecken.
- Tragen Sie feste Handschuhe, um Kratzer und Hautreaktionen zu vermeiden.
- Verwenden Sie eine desinfizierte Gartenschere, insbesondere nach der Arbeit an kranken Pflanzen.
- Schützen Sie Ihre Augen beim Schneiden gespannter oder hoch gelegener Triebe.
- Arbeiten Sie in der Nähe von Dachrinnen oder Dächern nicht allein mit einer Leiter.
Bei der Kletterpflanze lieber warten als alles sofort abzureißen
Nach dem Schnitt verschwinden die Blätter nicht unmittelbar. Meist verfärben sie sich innerhalb von ein bis zwei Wochen gelb, werden anschließend braun und trocknen aus. Abhängig von Jahreszeit, Ausrichtung der Wand und Stärke der Triebe kann die vollständige Austrocknung länger dauern.
Diese Wartezeit verringert das Schadensrisiko deutlich. Ein abgestorbener Trieb verliert nach und nach seine Elastizität, und seine Haftstellen lösen sich leichter. Danach können Sie ihn abschnittsweise und ohne Gewalt entfernen. Bei einer empfindlichen Fassade ist ein langsames Vorgehen von Hand mit einer weichen Bürste vorzuziehen.
Eine Drahtbürste kann auf hartem Stein oder robusten Ziegeln nützlich sein. Auf gestrichenem Putz besteht jedoch die Gefahr von Kratzern, während sich bei bröckeligem Putz lockere Stellen herauslösen können. Probieren Sie die gewählte Methode daher immer zuerst an einer unauffälligen Stelle aus.
Den Wurzelstock entfernen, damit weniger neue Triebe entstehen
Das Abschneiden der hängenden Triebe stoppt zwar die Ausbreitung, beseitigt das Problem aber nicht in jedem Fall vollständig. Sobald das trockene Laub entfernt ist, nehmen Sie den Pflanzenansatz in Angriff. Lockern Sie die Erde rund um den Wurzelstock mit einem schmalen Spaten oder einer Grabegabel etwa 20 bis 30 Zentimeter tief.
Stärkere Wurzeln verlaufen oft sternförmig vom Stock weg. Folgen Sie ihnen so weit wie möglich und durchtrennen Sie sie sauber. Wächst die Pflanze direkt an einer Wand, sollten Sie kein schweres Werkzeug gegen das Fundament drücken. Bearbeiten Sie kleine Bereiche nacheinander, damit bereits beschädigtes Mauerwerk nicht weiter geschwächt wird.
„Ein alter Wurzelstock lässt sich nicht immer in einem Arbeitsgang lösen: Besser ist es, über drei bis sechs Monate mehrfach vorzugehen, als die Wand oder den eigenen Rücken zu beschädigen.“
Sammeln Sie nach dem Ausgraben alle Triebteile und dicken Wurzeln ein. Lassen Sie sie vor der Entsorgung auf einer Plane in der Sonne trocknen. Geben Sie sie nicht direkt auf den heimischen Kompost. Manche Stücke können in feuchter Umgebung erneut anwachsen, vor allem bei weiterem Kontakt mit Erde.
Drei Monate kontrollieren: der Schutz vor einer erneuten Überwucherung
Neue Austriebe fallen anfangs oft kaum auf. Ein kleines glänzendes Blatt nahe der Wand kann bereits darauf hinweisen, dass eine übersehene Wurzel wieder aktiv wird. Kontrollieren Sie den Bereich etwa drei Monate lang alle zehn bis fünfzehn Tage. Ziehen Sie junge Triebe sofort heraus, solange sie sich noch mühelos entfernen lassen.
Diese Kontrolle dauert nur wenige Minuten, verhindert aber, dass die Pflanze im nächsten Jahr erneut die Fassade erobert. Bleibt der Boden nach der Maßnahme frei, kann eine dicke Mulchschicht den Austrieb zusätzlich erschweren. Rindenmaterial, Laub oder gehäckselte Zweige sind eine einfache Lösung rund um bereits vorhandene Pflanzungen.
Sind kochendes Wasser oder Essig sinnvoll?
Sehr heißes Wasser kann sichtbare junge Triebe verbrennen, entscheidet aber nicht unbedingt über das Schicksal eines tief sitzenden Wurzelstocks. Es sollte vorsichtig ausgegossen werden, mit ausreichend Abstand zu Pflanzen, die erhalten bleiben sollen, und ohne Verbrennungsgefahr für Menschen oder Tiere.
Essig wird häufig als Gartenmittel empfohlen, säuert jedoch den Boden an und kann benachbarte Pflanzen schädigen. Wiederholte Anwendungen beeinträchtigen zudem nützliche Bodenorganismen. Bei einem Pflanzenansatz an der Fassade bleiben das Abschneiden der Triebe, das schrittweise Entfernen der Wurzeln und die regelmäßige Kontrolle besser steuerbare Maßnahmen.
Haben die Triebe bereits ein Dach erreicht, berühren sie Kabel oder bedecken sie eine große Fassadenfläche, kann ein Fachbetrieb Stürze und kostspielige Schäden verhindern. In allen anderen Fällen reichen eine Gartenschere, etwas Geduld und regelmäßige Kontrollen oft aus, um den Garten dauerhaft wieder unter Kontrolle zu bringen.
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